Was der Bestellvorschlag zeigt
Der Bestellvorschlag beantwortet jeden Morgen zwei Fragen: Welche Artikel müssen jetzt nachbestellt werden, und in welcher Menge? Dafür rechnet das Dashboard für jeden aktiven Artikel den durchschnittlichen Abverkauf gegen den aktuellen Lagerbestand und ordnet das Ergebnis in Prioritätsklassen - von „Ausverkauft“ bis „OK“. Aktiv heißt dabei: mindestens ein Verkauf in den letzten sechs Monaten. Dienstleistungs- und Fulfillment-Positionen sind automatisch ausgefiltert, damit nur echte Lagerartikel in der Liste stehen.
Warum der Bestellzeitpunkt über den Umsatz entscheidet
Die meisten Händler steuern Nachbestellungen nach Bauchgefühl oder mit einer Excel-Liste, die immer einen Stand von letzter Woche hat. Das Problem dabei: Eine Lagerliste zeigt Stückzahlen, aber keine Zeit. Ob 50 Stück viel oder gefährlich wenig sind, hängt allein davon ab, wie schnell sie sich verkaufen - und wie lange der Lieferant braucht.
Ein Artikel verkauft sich mit durchschnittlich 3,6 Stück pro Tag. Auf Lager liegen 50 Stück - das klingt solide, ist aber nur eine Reichweite von 14 Tagen. Der Lieferant braucht 21 Tage. Die Bestellung ist damit heute bereits 7 Tage zu spät: Selbst wenn jetzt sofort bestellt wird, ist der Artikel eine Woche lang nicht lieferbar. In der normalen Lagerliste sieht dieser Bestand „gesund“ aus - erst die Verknüpfung mit dem Abverkauf macht das Problem sichtbar.
Genau diese Verknüpfung leistet der Bestellvorschlag automatisch, jeden Tag, für das gesamte Sortiment. Bei einigen Bestandskunden fanden sich beim ersten Lauf 50 bis 90 Artikel mit akutem Nachbestellbedarf, die in der normalen Lagerliste unauffällig waren.*
Die Kennzahlen kurz erklärt
- Reichweite (Tage): Wie lange der aktuelle Bestand beim bisherigen Abverkauf noch hält. Die zentrale Steuergröße - sie macht Bestände vergleichbar, egal ob ein Artikel 5 oder 500 Stück auf Lager hat.
- Ø-Abverkauf pro Tag: Der tatsächliche Absatz aus den JTL-Wawi-Verkaufsdaten, nicht eine Planzahl. Damit rechnet der Vorschlag mit dem echten Tempo Ihres Sortiments.
- Priorität: Jeder Artikel landet in einer von fünf Klassen: Ausverkauft (Bestand 0), Kritisch (unter 14 Tage), Bald bestellen (14 bis 30 Tage), Planen (30 bis 60 Tage), OK (über 60 Tage). Die Klassen sind als Filter nutzbar - die Kritisch-Liste ist die Arbeitsliste für heute. „OK“ heißt dabei nur: kein akuter Bestellbedarf. Ob ein Artikel mit sehr hoher Reichweite unnötig Kapital bindet, bewertet Lager & Reichweite.
Was Sie daraus machen
- Morgens die Dringend-Liste prüfen: Die nach Reichweite sortierten Akutfälle sind in zwei Minuten durchgesehen - statt das gesamte Sortiment zu scannen.
- Bestellmengen direkt übernehmen: Zu jedem Artikel steht eine empfohlene Bestellmenge, berechnet aus Abverkauf und Ziel-Reichweite. Als CSV exportierbar, gefiltert nach Prioritätsklasse.
- Saisonartikel bewusst vorziehen: Vor Saisonstart steigt der Abverkauf schneller als jede Routine. Wer saisonales Sortiment hat, prüft die Planen-Klasse früher als sonst.
- Lieferzeiten hinterfragen: Taucht derselbe Lieferant immer wieder in den Akutfällen auf, ist oft nicht die Bestellroutine das Problem, sondern eine unrealistisch hinterlegte Lieferzeit.
* Praxiswerte aus echten JTL-Wawi-Datenbeständen unserer Kunden (anonymisiert). Spannen statt Einzelwerte, da die Größenordnung je nach Sortiment variiert.