Methodik-Guide · Werbekennzahlen

ACOS vs. TACOS - warum Ihre Kampagne gut aussieht, während das Konto leerläuft

ACOS und TACOS klingen ähnlich und messen Grundverschiedenes - die eine Zahl bewertet Ihre Kampagne, die andere Ihr Geschäft. Wer nur eine davon steuert, übersieht die Hälfte der Wahrheit.

Die Definitionen und Formeln

Beide Kennzahlen setzen Werbekosten ins Verhältnis zu Umsatz - der Unterschied liegt darin, welcher Umsatz im Nenner steht.

ACOS: die Kampagnen-Kennzahl

ACOS (Advertising Cost of Sales) = Werbekosten ÷ Werbeumsatz × 100

Der Werbeumsatz umfasst nur die Verkäufe, die die Plattform der Anzeige zuordnet. Ein ACOS von 20 % heißt: Für 100 € direkt zugeordneten Umsatz wurden 20 € Werbekosten ausgegeben. ACOS bewertet also, wie effizient die Kampagne selbst arbeitet.

TACOS: die Geschäfts-Kennzahl

TACOS (Total Advertising Cost of Sales) = Werbekosten ÷ Gesamtumsatz × 100

Hier steht der komplette Umsatz im Nenner - auch die organischen Verkäufe ohne Anzeigenkontakt. TACOS beantwortet eine andere Frage: Wie viel vom gesamten Geschäft fließt in Werbung - und wie abhängig ist der Umsatz von bezahltem Traffic?

Ein durchgerechnetes Beispiel

Beispiel mit Zahlen

Ein Shop macht 50.000 € Monatsumsatz, davon 15.000 € über Anzeigen, bei 3.000 € Werbekosten. Der ACOS liegt bei 20 % (3.000 ÷ 15.000) - solide. Der TACOS bei 6 % (3.000 ÷ 50.000) - gesund.

Sechs Monate später: Der ACOS steht immer noch bei 20 % - die Kampagnen laufen unverändert effizient. Aber der organische Umsatz ist gefallen, der Ads-Anteil liegt jetzt bei 60 %: Der TACOS hat sich auf 12 % verdoppelt.

Die Kampagnen-Kennzahl meldet „alles gut“. Die Geschäfts-Kennzahl zeigt: Das Wachstum ist gekauft, die organische Basis bröckelt. Wer nur ACOS steuert, merkt es erst am Kontostand.

Genau dieses Auseinanderlaufen ist der Grund, beide Zahlen nebeneinander zu beobachten - als Trend, nicht als Momentaufnahme.

Typische Fehlinterpretationen

„Niedriger ACOS = profitabel.“

Der ACOS kennt Ihre Marge nicht. Ein Artikel mit 25 % Marge und 20 % ACOS verdient fast nichts; ein Artikel mit 60 % Marge verträgt auch 35 % ACOS komfortabel. Die Gewinnschwelle liegt dort, wo der ACOS die Marge erreicht - deshalb gehören Werbekosten neben die Wawi-Zahlen, nicht in ein separates Dashboard des Werbekontos.

„Unser TACOS ist höher als bei XY - wir machen etwas falsch.“

TACOS-Vergleiche zwischen Kategorien sind sinnlos. Möbel mit seltenen, teuren Käufen funktionieren anders als Verbrauchsartikel mit Wiederkauf: Wer einmal wirbt und jahrelang Nachbestellungen erhält, hat strukturell einen niedrigeren TACOS. Vergleichbar ist nur der eigene Trend - und der ist aussagekräftig.

„Unser ACOS ist top.“ (und die Brand-Kampagne läuft mit)

Brand-Kampagnen - Anzeigen auf den eigenen Markennamen - haben fast immer traumhafte Werte, weil sie Käufer abholen, die ohnehin gekauft hätten. Im Kampagnen-Mix drücken sie den Durchschnitts-ACOS und kaschieren teure Cold-Traffic-Kampagnen. Getrennt betrachten, sonst belügt die Zahl ihren Besitzer.

Wie das JTL-Dashboard beide Zahlen umsetzt

Das Dashboard berechnet den ACOS pro Kampagne und pro Artikel aus den Werbedaten - und den Blended TACOS pro Verkaufskanal aus Werbekosten und dem echten Gesamtumsatz aus JTL-Wawi. Damit ist der Nenner nicht die Schätzung der Werbeplattform, sondern die tatsächliche Umsatzrealität aus der Warenwirtschaft. Die operative Anwendung - Ausreißer-SKUs, Budget-Hebel, Bestands-Quercheck - zeigt die Seite Ads-Performance.

Blended-TACOS-Auswertung im JTL-Dashboard - Werbekosten im Verhältnis zum Gesamtumsatz pro Shop
Blended TACOS im JTL-Dashboard (Demo-Daten) - Werbekosten gegen den Gesamtumsatz des Kanals gerechnet.

Häufige Fragen

Kategorieabhängig - pauschale Zielwerte führen in die Irre. Verbrauchsartikel mit Wiederkauf liegen oft bei 3 bis 8 %, wachstumsorientierte Sortimente auch zweistellig. Entscheidend ist der eigene Trend: stabil oder fallend bei wachsendem Umsatz ist gesund, steigend bei stagnierendem Umsatz ist das Alarmsignal.

Weil der organische Umsatz sinkt oder der Werbeanteil wächst. Die Kampagnen arbeiten gleich effizient, aber das Geschäft hängt stärker am bezahlten Traffic - häufige Ursachen sind verlorene organische Rankings, mehr Wettbewerb oder ausgeweitete Kampagnen ohne organisches Wachstum dahinter.

Dieselbe Information, gespiegelt: ROAS = Werbeumsatz ÷ Werbekosten, ACOS = Werbekosten ÷ Werbeumsatz. Ein ROAS von 5 entspricht einem ACOS von 20 %. Amazon-Welt rechnet traditionell in ACOS, Google-Welt in ROAS - inhaltlich austauschbar, solange man konsistent bleibt.

Beim Blended TACOS im Dashboard: ja, pro Kanal getrennt. Google-Werbekosten werden gegen den Shop-Umsatz gerechnet, Amazon-Werbekosten gegen den Amazon-Umsatz - so bleibt sichtbar, welcher Kanal wie werbeabhängig ist.

Ja, weil sie verschiedene Fehler verhindern. Nur ACOS: Sie übersehen die wachsende Werbeabhängigkeit des Geschäfts. Nur TACOS: Sie sehen das Problem, aber nicht, welche Kampagne oder welcher Artikel es verursacht. Zusammen ergeben sie Diagnose und Ursache.

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Stand: Juni 2026